Besichtigungstour zu landwirtschaftlichen Maßnahmen für den verbesserten Rückhalt von Wasser und Boden im Klimawandel

Für alle land- und wasserwirtschaftlichen Berufsgruppen fand am Donnerstag, den 10.9.2015 eine nachmittägliche Exkursion zum Thema „Landwirtschaftlicher Boden- und Hochwasserschutz bei zunehmenden Starkregen und Trockenperioden“ statt. Besichtigt wurden im weiteren Umkreis der Glems Versuch und Praxis zu Schutzmaßnahmen mit Maschinen und Pflanzenbau wie z.B. Streifenlockerung, Querdammhäufelung bei Kartoffeln, Engsaat, Untersaat und Zwischenfrüchte. Es luden ein das KliStaR-Projekt zusammen mit den kommunalen Glemsanliegern Ditzingen, Gerlingen, Hemmingen, Korntal-Münchingen, Leonberg, Markgröningen, Schwieberdingen und Stuttgart, die entsprechenden Ortsbauernverbände und die Ämter für Landwirtschaft an den Landratsämtern Ludwigsburg und Böblingen.

Station 1: Ihinger Hof – Streifenlockerung
Herr Pflugfelder stellte zunächst den Streifenlockerer vor. Er dient zur Trennung von Stroh- und Saatstreifen mit 50 cm oder 75 cm Abständen und bis zu 45 cm Tiefe. Seit 2006 wird der Prototyp weiterentwickelt. Der Streifenlockerer ist mit 100 PS fahrbar, an Seitenhängen ist ein stabiler Schlepper notwendig.

Streifenlockerer

 

 

 

 

 

Foto 1: Prototyp Streifenlockerer

Bei der Streifenlockerung (Strip-Till) handelt es sich um eine Mulchsaat-Direktsaat-Kombination. Sie wurde entwickelt, um Erosionsprobleme zu minimieren. Denn die Infiltration wird erhöht und Regenwurmgänge bleiben bestehen. Die Streifenlockerung eignet sich für den Anbau von Zuckerrüben, Raps, Mais und Weißkohl.

Versuchsflaeche_Streifenlockerung

 

 

 

 

 

Foto 2: Versuchsfläche Streifenlockerung

 

Station 2: Eng- und Doppelreihensaat bei Mais – Großaspach
Beim Engsaatverfahren werden die Maiskörner in den benachbarten Reihen mit einem Abstand von 37,5 cm versetzt gesät. Bei der vom Maschinenring Rems-Murr vorgestellten Doppelreihensaat beträgt der Abstand zwischen den Doppelreihen ca. 20 cm. Die gesamte Reihenweite misst jeweils von Mitte zu Mitte 75 cm. Die Pflanzenverteilung kommt dem idealen Dreieckverband, also einem optimierten Standraum für den Mais nahe, denn die Körner liegen im Idealfall immer abwechselnd in den Doppelreihen. Dadurch wird der Boden gleichmäßiger durchwurzelt, Nährstoffe und Wasser können effektiver genutzt werden. Daraus ergibt sich ein gleichmäßiges Wachstum, eine bessere Entwicklung der Maispflanzen und damit wiederum Mehrerträge. Die erosionsmindernde Wirkung der Doppelreihe ist noch ungeklärt, die der Engsaat aufgrund des schnelleren Bestandesschluss im Frühstadium des Maiswachstums positiv.

Doppelreihensaat

 

 

 

 

 

Foto 3: Versuch zu Doppelreihensaat Mais

 

Station 3: Zwischenfruchtversuche – Höpfigheim
Die Zwischenfruchtversuche werden vom Amt für Landwirtschaft Ludwigsburg betreut und vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg entwickelt und ausgewertet. Hierbei geht es in einem landesweiten Ansatz um die Frage: Welche Zwischenfrüchte eignen sich bei den unterschiedlichen Standort- und Bodenverhältnissen im Land am besten?

Zwischenfrüchte dienen zwischen zwei Hauptkulturen als Gründüngung oder Viehfutter. Sie wirken sich vorteilhaft auf ökologische und agronomische Funktionen aus, wie z.B. die Konservierung der Nährstoffe über Winter, die dann als Biomasse der folgenden Hauptkultur zur Verfügung stehen. Zudem haben Zwischenfrüchte erosionsmindernde Wirkung und Verringern den Eintrag von Nährstoffen in Oberflächengewässer. Die Durchwurzelung und Erhöhung der biologischen Aktivität führen zu einer Verbesserung der Bodenstruktur und Humusbilanz. Das wiederum erhöht die Bodenfruchtbarkeit. Daneben können Zwischenfrüchte Unkraut- und Schaderreger unterdrücken. Außerdem bedeutet die jährliche Zwischenfruchtaussaat einen begrenzten Mehraufwand für Arbeitszeit und kann einfach in den Betriebsablauf integriert werden.

Zwischenfruechte

 

 

 

 

 

Foto 4: Zwischenfruchtanbau

 

Station 4: Querdammhäufelung – Ittlingen
Die Querdammhäufelung wird im Kartoffelanbau angewendet. Dabei werden Querdämme zwischen den Kartoffeldämmen in gleichmäßigem Abstand angelegt. Die Mulden dienen als Wasserspeicher und verhindern somit Abfluss und Erosion. Neben der erhöhten Wasserinfiltration tragen Querdämme zu einer verbesserten Bodenstruktur bei. Außerdem steht dem Kartoffelwachstum in trockeneren Sommern mehr Wasser zur Verfügung, so dass sich der Bewässerungsaufwand verringert.

Querdammhaeufelung

 

 

 

 

 

 

 

Foto 5: Querdammhäufelung im Kartoffelacker

 

In der Zeitschrift BWagrar (Landwirtschaftliches Wochenblatt und BWagrar Schwäbischer Bauer) wurde ein Artikel über die Exkursion veröffentlicht.

Veröffentlicht in KliStaR