Vorsorgen

Starkregen treten in aller Regel relativ plötzlich und unerwartet auf. Sie verwandeln kleinste Senken, aber auch Straßen und Wege in kurzer Zeit zu reißende Gewässer. Die Gefahr wird dann zum Risiko, wenn sich empfindliche Güter und vor allem Menschen in ihrem Weg befinden. Bei Starkregen ist besonders zu beachten, dass oft nur extrem wenig Zeit bleibt, um sich selbst und andere in Sicherheit zu bringen oder zu schützen – das Gleiche gilt für die gefährdeten Güter wie beispielsweise Gebäude oder Fahrzeuge in Tiefgaragen. Demzufolge ist die Vorsorge umso wichtiger!

Die gesetzliche Lage sieht vor, dass bei Hochwasser und Starkregen der Bürger im zumutbaren Maße Eigenvorsorge zu treffen hat:

„Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.“ (Auszug aus dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG), § 5 Allgemeine Sorgfaltspflichten, Abs. 2)

Erst wenn die Schwachstellen bekannt sind, lässt sich entscheiden, welche der im Folgenden aufgeführten Maßnahmen sinnvoll sind – einzeln oder auch in Kombination. Mit weiterführender Literatur können Sie sich Wissen über geeignete Schutzmaßnahmen aneignen. Literatur dazu und mögliche Maßnahmen gibt es reichlich – die folgende Auswahl soll Ihnen einen Überblick über mögliche Gefahren und Maßnahmen geben.

 

Zur Vorbereitung gehört zunächst die Einschätzung Ihrer individuellen Risiken. Die größten Risiken treten da auf, wo zum einen eine Überflutungsgefahr durch große Wassertiefen oder hohe Fließgeschwindigkeiten besteht, zum anderen auch ein Schaden angerichtet werden kann.

Große Schäden sind zu allererst Schäden an Leib und Leben, aber auch Sachschäden zählen hinzu. Solche Schäden können einerseits direkt durch das abfließende Wasser entstehen, andererseits auch als Folge anderer Schäden. Hier gilt es, „um die Ecke“ zu denken:

  • Was passiert, wenn die Stromversorgung zusammenbricht?
  • Wie kann ich den Kindergarten evakuieren, wenn die Unterführung geflutet ist?
  • Ist mein Öltank vor Auftrieb geschützt, sodass kein Öl austreten kann?
  • Können die Fassaden meines Gebäudes höherem Wasserdruck widerstehen?
  • Kann es aufgrund eines fehlenden Fi- Schalters zu einen Brand durch Kurzschluss geben?

Starkregen tritt in aller Regel relativ plötzlich und unerwartet auf, sie verwandeln kleinste Senken, aber auch Straßen und Wege in reißende Gewässer.
Bei Starkregen ist besonders zu beachten, dass oft nur sehr wenig Zeit bleibt, um sich selbst und andere in Sicherheit zu bringen oder zu schützen – das Gleiche gilt für die gefährdeten Güter wie beispielsweise Gebäude oder Fahrzeuge in Tiefgaragen.

Begegnen Sie Überflutungsgefahren nicht unvorbereitet!

Wie hoch bei Starkregen die Überflutungsgefahr für Ihr Eigentum ist, können Sie mithilfe der Karten unter Beteiligte Gebiete abschätzen. Unter Wissenswertes finden Sie einige Beispiele zur Interpretation der Starkregengefahrenkarten. Grundstücke in der Nähe von Bächen, in Senken, am Hang oder in besonders dicht besiedelten Stadtvierteln mit hohem Grad an Bodenversiegelung können besonders betroffen sein.

Checklisten: Risiko selbst einschätzen

Mit Hilfe einer Checkliste können Sie eine erste Risikoanalyse für Ihre persönliche Situation durchführen und Maßnahmen zur Risikoreduzierung ableiten. Im Anhang der Hochwasserschutzfibel des Bundesbauminsteriums befindet sich eine Checkliste. Diese eignet sich, wenn man sich für den Notfall ausrüsten und für Evakuierung im Falle von Hochwasser vorbereiten möchte. Bei Starkregen, einem Ereignis mit sehr kurzer Vorwarnzeit, hat es die höchste Priorität sich selbst in Sicherheit zu bringen! Von Autos umparken, Gegenstände aus dem Keller räumen oder Tanks absichern wird abgeraten! Eine Checkliste für die bauliche Vorsorge stellt die Stadt Köln zur Verfügung (Abbildung rechts). Weitere Checklisten finden Sie beispielsweise bei den Stadtentwässrungsbetrieben Köln (StEB Köln, AöR) oder im Anhang der Broschüre für Kommunen der WBW Fortbildungsgesellschaft für Wasserentwicklung mbH (Seite 47).

Hochwasserpass: Risiko von Experten einschätzen lassen

Das HochwasserKompetenzZentrum (HKC) e. V. bietet allen Hausbesitzern in Deutschland die Möglichkeit sich im Rahmen des Hochwasserpass ein Bild über ihr individuelles Überschwemmungsrisiko zu machen. Ein speziell auf Überflutungen ausgelegter Fragebogen gibt erste Verhaltenstipps. Weitere Beratung können Sie durch speziell ausgebildete Fachkräfte erhalten, die Sie vor Ort bei der Abschätzung des Risikos und der Planung von Maßnahmen unterschützen. Zusätzlich finden Sie hier auf der Website des HKC viele nützliche Informationen zu möglichen Gefahren.

Der Inhaber des Hochwasser-Passes hat damit eine fundierte Risikoeinschätzung für sein Haus und erhält zudem Tipps, wie durch Vorsorgemaßnahmen eine Gefährdung durch Hochwasser & Starkregen reduziert werden kann. Außerdem dient der Hochwasserpass als Nachweis, in welchem Maße das Gebäude hochwassergefährdet, -gesichert oder -angepasst ist. Alternativ hilft er bei Verkauf und Vermietung des Gebäudes, weil die Risiken für Hochwasser & Starkregen, Kanalrückstau und Grundhochwasser bewertet ausgewiesen sind.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entstanden allein 2014 durch Schlechtwetterfronten Schäden in Höhe von 310 Millionen Euro, 2016 waren es sogar über 800 Millionen Euro. Auch 2018 sind Schäden im zweistelligen Millionenbereich entstanden. In vielen Fällen bleiben Hauseigentümer auf den Kosten sitzen, denn eine Wohngebäudeversicherung deckt lediglich Schäden durch Leitungswasser, Sturm (ab Windstärke 8), Feuer, Blitz- und Hagelschlag ab.

Die Elementarschadenversicherung

Laut Statistiken sind rund 75% der Elementarereignisse auf Starkregen zurückzuführen. Schäden durch Hochwasser und Starkregen sind jedoch nur gedeckt, wenn der Eigentümer zusätzlich eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen hat. Laut GDV haben derzeit aber nur 41 Prozent der privaten Immobilienbesitzer in Deutschland eine solche Police abgeschlossen. Darin nicht enthalten sind Schäden, die aufgrund von Sturmfluten und Grundwasser entstehen.

Quelle Die VersichererWas wird alles abgesichert?

Generell gilt bei Versicherungen, dass im Schadensfall eine Wiederherstellung in gleicher Art und Güte (meist Verbesserung) erfolgt. Bei einem Totalschaden kann sogar ein komplettes Haus ersetzt werden. Nach einem Starkregen- bzw. Hochwasserereignis sollte der Schaden umfangreich dokumentiert (Fotos, Videos) und möglichst unverzüglich dem Versicherer gemeldet werden – per Telefon, als Nachweis gerne auch (danach zusätzlich) per E-Mail oder Post. Dann sollte man sich vom Versicherer das weitere Vorgehen mitteilen lassen.  Zu Beweiszwecken ist es empfehlenswert, sich diese Vorgaben vom Versicherer nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich geben zu lassen.

Besonders in der Versicherungswirtschaft muss darauf geachtet werden um welche Schadensart es sich handelt und ob Sicherungsmaßnahmen in Angriff genommen wurden. Schäden die beispielsweise entstehen, wenn oberirdisches Wasser durch Gebäudeöffnungen von außen in das Gebäude eindringt (wie im Falle eines Hochwasser- bzw. Starkregenereignisses), können durch eine Elementarschadenversicherung abgedeckt werden. Hingegen sind Schäden durch Grundwasser, wenn z.B. das unterirdische Grundwasser durch die Wände in das Gebäude einströmt, nicht versicherbar. Auch Schäden, die durch einen Kanalrückstau entstehen sind nur versichert, wenn die Sicherungsmaßnahmen versagt haben. Dies setzt voraus, dass Sicherungsmaßnahmen vorhanden sind. Schäden an Fahrzeugen übernimmt die Teilkaskoversicherung.

An wen kann ich mich wenden?

Da die Elementarschadenabsicherung an den Wohngebäudeversicherungsvertrag gekoppelt ist, ist es ratsam, Tarife verschiedener Anbieter für den gesamten Vertrag zu vergleichen, die Verbraucherzentralen informieren hierzu.

Weiteres zu dem Thema Starkregen und Versicherung können sie hier auf der Seite der GDV nachlesen. Den aktuellen Naturgefahrenreport der GDV von 2018 finden Sie hier.

Ein Erklärvideo zum Thema Versicherung gibt es hier:

Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.

Schutz durch private Eigenvorsorge

Schutzanlagen im Außenbereich können das Zuströmen von Wasser zum Gebäude verhindern. Der Einsatz von mobilen Hochwasserschutzanlagen ist gegen Hochwasser denkbar. Da sich hier aber immer jemand um die rechtzeitige Montage beim Ereignis kümmern muss, bietet sich dieses System nur bei genügend Vorwarnzeit an. Fest installierte Schutzanlagen sind im privaten Bereich und gegen Starkregen wirksamer und haben ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Verminderung des Oberflächenabflusses ist dabei immer das primäre Ziel! Rückbau oder der Verzicht auf Flächenversiegelung und Vegetation, welche die Fließgeschwindigkeit verringern, haben großen Einfluss auf das Fließgeschehen. Ein abwechslungsreich bepflanzter und genutzter Boden wirkt der Versiegelung entgegen und fördert die natürliche Versickerung. Mischbepflanzung, kleine Schwellen, Mulden, Gräben und Senken halten Regenwasser vom Haus fern. Mulden, um Abfluss zwischen zu speichern, können kostengünstig umgesetzt werden, aufwändiger aber lohnend sind Rigolenversickerungen oder Rohr-Rigolenversickerungen. Ein tief liegender Teich bietet ebenfalls Retentionsfläche.

Liegt Ihr Grundstück nah an einem Gewässer, müssen Sie die regionalen Vorschriften beachten, wie nah an der Böschung gebaut oder was dort gelagert werden darf.

Der Praxisratgeber Regenwasserversickerung – Gestaltung von Wegen und Plätzen (Bayersisches Landesamt für Umwelt) informiert über unterschiedlichste Möglichkeiten den Boden zu befestigen, ohne ihn zu versiegeln und gleichzeitig die Versickerung von Regenwasser zu fördern. In diesem Leitfaden wird konkret beschrieben, wie man selbst Maßnahmen abwägen, planen und im eigenen Garten umsetzen kann.

Eintrittswege in das Gebäude verringern

Bei Neubauten kann das Risiko bereits durch geschickte Planung verringert werden – Verzicht auf Keller, erhöhte Erdgeschosse, Bau auf Stelzen.

Direkt am Gebäude gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Gebäudeöffnungen, wie Lichtschächte, Kellerfenster oder –türen zu sichern. Ist der Wasserstand am Gebäude gering, kann eine Erhöhung der Lichtschachtoberkanten, die Erhöhung von Hauseingängen, Bodenschwellen, Aufkantungen helfen.

Wasserdichte Fenster / Türen oder automatisch schließende Fensterklappen sind kostenintensiver, aber bei höherem Wasserstand häufig die einzige Lösung. Klappschotte, die automatisch aufgehen (aufschwimmend oder mit Antrieb) werden insbesondere bei Tiefgaragen gerne verwendet.

Dabei bestimmen die jeweiligen Rahmenbedingungen, wie z.B. die Art des Mauerwerks, welche Schutzelemente geeignet sind.

Zusätzlich zu Öffnungen muss auch die Eigenschaft der Fassade gegenüber Wasser betrachtet werden. Bei Neubauten sollte zu wasserresistenten Baumaterialen gegriffen werden. Bei Sandsteingebäuden kann das Durchsickern  des Wassers zum Problem werden, insbesondere wenn über längere Zeit Wasser am Gebäude steht. Gipsgebundene Baustoffe haben eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit und sind feuchteempfindlich. Auch der Dämmstoff ist entscheidend – Extrudierte Polystyrol-Hartschaum­platten (XPS) sind unempfindlich, während Mineralwolle oder Zelluloseflocken Wasser aufsaugen und nach Überschwemmungen auszutauschen sind. Dabei ist nicht nur bei den Fassaden, sondern auch bei Decken- und Fußbodenkonstruktionen auf die Materialwahl zu achten, um Schäden zu minimieren.

Abdichtungsmaßnahmen direkt am Gebäude können das Risiko des Eindringens verhindern. Die Gebäudefassade kann durch eine Schwarze oder Weiße Wanne abgedichtet werden. Schwachstellen am Gebäude sind zudem auch undichte Grundleitungen oder nicht abgedichtete Leitungsdurchführungen.

Eine umfangreiche Lektüre bietet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) an.

Eine ausführliche Beschreibung von Maßnahmen bietet auch der Leitfaden von HAMBURG WASSER auf den Seiten 14 bis 34. Der Vorteil hier: Am Ende jeder Maßnahmenbeschreibungen werden Kosten abgeschätzt! Die Daten sind von 2012, können aber einen Hinweis auf die Größenordnung geben.

Rückstausicherungen

Bei Hochwasser und Starkregen lauert insbesondere die Gefahr unterhalb des Bodens – durch Grundwasseranstieg und Rückstau in der Kanalisation.
Eine Rückstausicherung ist Pflicht. Die technischen Regelwerke (DIN EN 752, DIN EN 12056, DIN 1986 Teil 100) schreiben vor, dass alle Entwässerungseinrichtungen unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau gesichert sein müssen.
Für Rückstauschäden haften Sie.
Versicherungen greifen nur, wenn Sicherungsmaßnahmen versagen.

Welches System für Sie geeignet ist, erfahren Sie bei Sanitärfachfirmen.
Die beste Sicherung nützt natürlich nur, wenn sie auch mindestens einmal im Jahr gewartet wird.

Wie die Überlastung des Kanalnetzes und ein Rückstau sich auf Ihr Haus auswirken und wie Sie sich dagegen schützen können,
wird in folgendem Video dargestellt.

Die Stadt Münster bietet zudem einen Rücksicherungssimulator an, bei dem man eindrucksvoll die Wirkung nachempfinden kann.

Weitere Informationen finden Sie auch bei der Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes.

Weitere Literatur-Tipps

Hilfreiche App's

NINA: Mit der Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes (kurz NINA), können Sie wichtige Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen, wie zum Beispiel Gefahrstoffausbreitung oder einem Großbrand erhalten.

WarnWetter: Die WarnWetter-App vom Deutschen Wetterdienst, versorgt die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie die breite Öffentlichkeit mit wichtigen Hinweisen zur aktuellen Warn- und Wettersituation.

MeinPegel: MeinPegel ist die amtliche Wasserstands- und Hochwasser-Informations-App mit rund 2.000 Pegeln in Deutschland.Informieren Sie sich über den aktuellen Wasserstand an Ihrem Pegel und lassen Sie sich über Push-Mitteilung bei Über-/ oder Unterschreitung von individuell konfigurierbaren Grenzwerten benachrichtigen. Verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick zur überregionalen Hochwasserlage in Deutschland und zu den Hochwasserinformationen der Bundesländer.

KATWARN: Dies ist eine Service-App zur Übermittlung von Gefahren- und Katastrophenwarnungen innerhalb Deutschlands. Das Warnsystem leitet offizielle Warnungen und Handlungsempfehlungen an die betroffenen Menschen weiter. Über Inhalt, Zeitpunkt und Umfang entscheiden allein autorisierte Behörden und Sicherheitsorganisationen.

Wie verhalte ich mich bei einer Überflutung?

Haken Schützen Sie sich und ihr Leben.
Haken Bei einem Notfall wählen Sie den Notruf der Feuerwehr (112).
Haken Bleiben Sie im Gebäude (obere Etagen) und meiden Sie überflutete Räume (Stromschlaggefahr!).
Haken Wenn noch genug Zeit ist, schalten Sie Strom und Heizung in gefährdeten Räumen ab
Haken Verfolgen Sie die Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (www.dwd.de) und Meldungen der Regionalprogramme
Haken Benutzen Sie ein Mobiltelefon nur in Notfällen, um eine Überlastung des Netzes zu vermeiden.
Haken Helfen Sie Ihren Nachbarn, solange Ihr eigenes Leben dadurch nicht gefährdet wird. Achten Sie auf hilfsbedürftige Personen in der Nähe.
Haken Verstauen Sie schädliche Stoffe (wie z.B. Chemikalien und Umweltgifte) in wasserdichten Behältnissen.
Haken Überflutete Bereiche in Senken und im Umfeld der Kanalisation meiden.

Auch Kommunen können für Ihre Bürger und kommunalen Einrichtungen vorsorgen. In vielen Bundesländern werden Sie dabei von den zuständigen Landesbehörden im Rahmen von Förderprogrammen unterstützt. Informationen hierzu finden Sie auf den Seiten der Bundesländer.

An dieser Stelle sollen ein paar Fragen zusammengefasst werden, die sich jeder kommunale Verantwortungsträger stellen kann:

Wo liegen die überflutungsgefährdeten Bereiche in Ihrer Kommune?

Um Gefahren und Risiken zu analysieren, können kommunale Starkregenkarten erstellt werden. Sie zeigen, welchen Weg das Wasser bei Starkregenereignissen hin zu den Fließgewässern nimmt.

Liegen besonders gefährdete Einrichtungen im Risikogebiet?

Identifizieren Sie mithilfe der Karten Risikobereiche und kommunale Risikoobjekte. In die Bewertung des Risikos fließen Aspekte wie die Gefahr für Menschenleben, die Betroffenheit kultureller Werte oder die Erreichbarkeit kritischer Infrastruktur mit ein. Für die Objekte und Bereiche können nun Handlungserfordernisse formuliert und Maßnahmen geplant werden.

Sind Anwohner in Risikogebieten über die Gefährdung informiert?

Die Information und Einbeziehung aller potentiell Betroffenen ist ein wesentlicher Baustein des Starkregenrisikomanagements. Sie ist wichtig, um die Gefährdung durch Starkregen im Blick zu behalten und somit die Eigenvorsorge von Bürgern und Unternehmen zu unterstützen, sowie ein richtiges Verhalten im Ereignisfall zu gewährleisten.

Sind Verantwortlichkeiten in Ihrer Kommune klar geregelt?

Für das Thema Starkregen ist ein Hochwasser-Alarm- und Einsatzplan in Verbindung mit einem Messnetz in Anbetracht der kurzen Vorwarnzeit wichtig. Verantwortungen werden klar definiert und Aufgaben werden im Vorfeld geplant.

Haben Sie mögliche technische Schutzmaßnahmen umgesetzt?

Die Kommune kann Überflutungsvorsorge betreiben, indem die Belange des Starkregen- sowie Hochwasserrisikomanagements frühzeitig im Flächennutzungsplan, bei der Bauleitplanung und beim Städtebau einbezogen werden.

Durch angepasste Bewirtschaftung können Land- und Forstwirte einen aktiven und wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. Durch die Einhaltung gewisser Standards werden mehrere Vorteile vereint: Das Ausmaß des Oberflächenabflusses wird reduziert, der Bodenabtrag wird verringert, der Bodenwasserhaushalt wird verbessert und die Gefahr für die Unterlieger minimiert.

Landwirtschaftliche Flächen spielen für den Schutz vor Starkregen eine wichtige Rolle, da sie mögliche Rückhalteflächen für Wasser in der Umgebung dicht besiedelter Gebiete darstellen. Außerdem sind sie durch den häufig offenliegenden Boden besonders anfällig für Erosion. Die Wasserspeicherkapazität und Widerständigkeit gegen Erosion lassen sich durch einfache Maßnahmen steigern:
So kann beispielsweise durch Engsaat der Verschlämmung vorgebeugt werden. Modellrechnungen ergaben, dass im Maisanbau die Bodenerosion um ca 14% und der Wasserabfluss um 8% gesenkt werden. Weiteres zum Maisanbau kann bei der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft nachgelesen werden.

Ähnlich verhält es sich mit forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Der unversiegelte, lockere Boden kann große Wassermengen aufnehmen, und die dichte Vegetation bremst die Geschwindigkeit des oberirdisch abfließenden Wassers ab. Dadurch wird das Risiko für umliegende Siedlungsflächen verringert. Eine bodenschonende Holzernte führt zu einer langfristigen Sicherung der Bodenqualität und fördert damit die Wuchsleistung der Bestände. Mithilfe von bodenschonenden Techniken (z.B. manuelle Holzaufbereitung und Seilkräne) können die Auswirkungen auf den Boden und die daraus resultierenden Schäden minimiert werden.

Weitere Informationen finden Sie bei waldwissen, dem Informationsportal der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg.

Für tiefgehende Informationen zu Vorsorgemaßnahmen für Erosion können Sie das Heft der Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL ) hier herunterladen und eine analoge Ausgabe bestellen (LfL-Schriftenreihe 2/2017).

In den KliStaR-Steckbriefen der WBW werden 22 Maßnahmen ausführlich mit Vor- und Nachteilen erläutert. Die Maßnahmen wurden im Gewässereinzugsgebiet der Glems nordwestlich von Stuttgart mit den betroffenen Kommunen und Flächenbewirtschaftern partizipativ entwickelt, erörtert und teilweise realisiert.